Schlagwort: Fotografie

  • Zwischen den Bildern

    Ein persönlicher Auftakt über Street, Landschaft und das bewusste Sehen – über Bilder, die zwischen Alltag, Reise und Erinnerung entstehen.

    Vom Festhalten zum Fotografieren

    Seit unser erstes Kind zur Welt kam, habe ich fast alles fotografiert, was meine Familie betrifft. Erst mit einer digitalen Kompaktkamera, später mit einer Videokamera und schließlich nur noch mit dem Smartphone. Der Anspruch, mit Bildern Geschichten zu erzählen und etwas bewusst zu dokumentieren, war damals nicht da. Ich wollte vor allem Erinnerungen festhalten – für mich, für meine Familie. Momente sichern, bevor sie leiser werden und die Erinnerungen verblassen. Emotional wertvolle Schnappschüsse aus unserem Leben.

    Diese alte Bilderbibliothek ist bis heute wie ein Film aus meinem Leben. Mit vielen schönen Szenen – und auch ein paar anderen. Dinge, die zum Leben gehören. Viele spontane Fotos entstanden damals – und entstehen bis heute – mit dem Smartphone. Wie sagt man so schön: Die beste Kamera ist die, die man dabeihat.

    Einen einzigen Moment, der die Entscheidung für eine Systemkamera (mit Wechselobjektiven) ausgelöst hat, gab es nicht. Aber es gibt ein Foto, das mir bis heute im Kopf geblieben ist. Kurz nach der Geburt unserer ersten Tochter war ein Freund bei uns zu Besuch. Er fotografierte damals schon ambitioniert und hatte seine Spiegelreflexkamera dabei. Er machte ein Foto unserer Tochter in der Wiege – ohne Blitz, warmes Licht, unaufgeregt, technisch sauber. Es war einfach gut. Richtig gut. Ich sehe es heute noch vor mir.

    Dieses Foto war sicher nicht der einzige Grund, warum mein Interesse an Fotografie über die Jahre gewachsen ist. Aber es hat etwas angestoßen.

    Anfang 2020 habe ich mich dann mehr mit Kameras beschäftigt: Welche passt zu mir? Welche passt ins Budget? Ist das jetzt nur eine Phase – wie so oft, wenn man sich in ein Thema „kurz“ verbeißt? Diesmal war es anders. Auch weil meine Frau mich bestärkte. Und dann standen wir in einem Fotoladen in Köln, ließen uns noch einmal beraten – und ich kaufte die Kamera.

    Damals wusste ich nicht, welche Rolle die Fotografie später in meinem Leben spielen würde.

    Ich lebe nicht von der Fotografie. Ich fotografiere aus Leidenschaft, nicht beruflich. Hauptberuflich arbeite ich als Manager in einer Unternehmensberatung. Und wenn man Vollzeit arbeitet und den Stift nicht um fünf einfach fallen lässt, dann ist Fotografieren unter der Woche selten Alltag. Dazu kommen Familie, Verpflichtungen – und manchmal schlicht Erschöpfung. Oft ist es ein Kampf gegen den inneren Schweinehund. Aber eben kein aussichtsloser.

    Weniger Analyse, mehr Wahrnehmung

    Im Beruf dreht sich vieles um Konzepte, Strukturen und komplexe Prozesse. Fotografie ist für mich das Gegenstück dazu: entschleunigen, hinschauen, entdecken. Weniger Analyse – mehr Wahrnehmung.

    Mit der Kamera in der Hand verändert sich mein Rhythmus. Ich halte inne. Ich sehe genauer. Ich bin stärker im Moment. Das Fotografieren holt mich raus aus dem Autopiloten – und manchmal ist genau das der eigentliche Gewinn. Es geht nicht nur um das Bild. Ich freue mich natürlich über schöne Bilder. Aber es geht mir vor allen Dingen um den Prozess. Das ist es, was durch den Fokus auf etwas anderes abschalten lässt.

    Was mich visuell reizt

    Ich fotografiere gern Landschaft und Street – und ich mag den Ablauf: Szene finden, warten, entscheiden, auslösen. Am liebsten direkt aus der Kamera – SOOC, „straight out of camera“. Nachbearbeitung gehört dazu, aber für mich ist sie eher Mittel als eigener Selbstzweck.

    Besonders faszinieren mich Orte, an denen Zeit und Wandel sichtbar bleiben: Stadtränder, Häfen, Übergänge zwischen Funktion und Stillstand. Mich interessiert nicht nur das „perfekte“ Motiv, sondern das, was ein Ort erzählt: Spuren, Atmosphäre, Zeichen von Veränderung. Situationen, in denen Stimmung mehr sagt als Oberfläche.

    Ich mag große Strukturen genauso wie Details. Und ich liebe Landschaften – besonders im Norden. Dazu kommen Menschen und Momente, wie sie sich in der Street Photography zeigen: flüchtig, echt, manchmal unspektakulär – und gerade deshalb stark.

    Warum dieser Blog entsteht

    Dieser Blog ist mein persönlicher Raum, in dem ich Gedanken und Erfahrungen rund ums Fotografieren als Amateur teile. Ich möchte über Reisen schreiben, zum Beispiel über meine Norwegen-Roadtrips, über Projekte wie „Structures in Transition“ und über Routinen und Entscheidungen, die meinen fotografischen Weg prägen.

    Er ist auch eine Ergänzung zu meiner Portfolio-Seite: Dort stehen die Bilder im Mittelpunkt. Hier geht es um das Dazwischen – um Orte, Entscheidungen, Zweifel, kleine Learnings. Technik und Perfektion sollen zumindest nicht dominieren, sondern bewusstes Sehen, Innehalten und das Entdecken im scheinbar Alltäglichen.

    Wenn dich die Faszination für Orte, Wandel und stilles Beobachten ebenso bewegt, findest du dich hier vielleicht wieder.